Humanoid Robot: The AI Accelerant – Der Durchbruch der Roboter-Kollegen
17-03-2024: Goldman Sachs über Kostensenkungen, KI-Beschleunigung und die globale Marktentwicklung humanoider Roboter bis 2035.
Ein Jahr nach ihrer ersten Einschätzung hat Goldman Sachs die Erwartungen an den globalen Markt für humanoide Roboter massiv nach oben korrigiert. Während 2023 noch ein Marktvolumen (TAM) von 6 Mrd. USD für das Jahr 2035 prognostiziert wurde, stieg diese Schätzung nun auf beeindruckende 38 Mrd. USD. Dieser Anstieg basiert auf einer vervierfachten Prognose der Auslieferungszahlen auf insgesamt 1,4 Millionen Einheiten.
Warum die plötzliche Beschleunigung?
Drei Hauptfaktoren treiben diese Entwicklung voran, die den Weg zur Profitabilität erheblich verkürzen:
- KI-Durchbrüche: Der Fortschritt bei „End-to-End AI“ und multimodalen Algorithmen ermöglicht viel schnellere Produktiterationen als bisher angenommen.
- Tesla als Taktgeber: Ein prominentes Beispiel ist der Tesla Optimus Gen 2, dessen Entwicklungstempo und verbesserte Fähigkeiten die Analysten überrascht haben.
- Massive Kostensenkungen: Die Materialkosten (BOM) für Hochleistungsroboter sind innerhalb eines Jahres um etwa 40 % gesunken – von ca. 250.000 USD auf etwa 150.000 USD pro Einheit im Jahr 2023.
- Breitere Lieferkette: Der Preisverfall wird durch die Verfügbarkeit günstigerer Komponenten und eine tiefere Fertigungskette, insbesondere durch günstigere Bauteile aus dem asiatischen Raum, vorangetrieben.
Technologische Reife und „End-to-End AI“
Ein zentraler Wendepunkt ist der Übergang von regelbasierter Steuerung zu End-to-End AI. Hierbei generiert die KI ihre Regeln selbstständig aus Befehlen und Szenarien, anstatt auf starre Programmierung durch Ingenieure angewiesen zu sein.
- High-Level Control: Beinhaltet Szenarienbeobachtung und Aufgabenanalyse durch Roboter-LLMs, die Bild-, Text- und Videodaten verarbeiten können.
- Lower-Level Control: Umfasst die Simulation und die physikalische Ausführung der Bewegungsabläufe in der realen Welt.
Einsatzgebiete: Gefährlich, schmutzig, notwendig
Goldman Sachs sieht das größte Potenzial zunächst in strukturierten Umgebungen und Berufen mit hohem Risiko:
- Produktion: Die prognostizierten 1,4 Mio. Einheiten könnten bis zu 15 % der Rollen in der gefährlichen Fertigung und Automobilindustrie abdecken.
- Gefahrenjobs (3D – Dangerous, Dirty, Dull): Roboter sind besonders attraktiv für Aufgaben mit hohen Unfallraten, wie den Bergbau, die Katastrophenhilfe oder die Wartung von Kernreaktoren.
- Arbeitskräftemangel: In einem optimistischen Szenario könnten Roboter den massiven Mangel an Arbeitskräften in der Fertigung sowie in der häuslichen Altenpflege ausgleichen.
Zeitplan der Markteinführung
Dank der optimierten Kostenkurve verschieben sich die Zeitpläne für die wirtschaftliche Tragfähigkeit deutlich nach vorn:
- Fabrikanwendungen: Erreichen voraussichtlich zwischen 2024 und 2027 eine Amortisationszeit von zwei Jahren, was ein Jahr früher ist als in der vorigen Prognose.
- Verbraucheranwendungen: Werden bereits für 2028 bis 2031 erwartet, was bis zu vier Jahre früher ist als in ursprünglichen Schätzungen.
Obwohl die technologische Machbarkeit eines universell einsetzbaren „General Purpose AI Roboters“ noch offen ist, zeigt die Dynamik bei Akteuren wie Tesla, Boston Dynamics und diversen Herstellern wie UBTech oder Agibot, dass die Ära der Roboter-Kollegen unmittelbar bevorsteht.
Ursprungsartikel: Global Automation: Humanoid Robot: The AI accelerant