Studie

Wird „Embodied AI“ unseren Arbeitsplatz revolutionieren?

25-07-2025: McKinsey über Roboter-Kollegen

Die Vorstellung von Robotern als Kollegen ist längst keine reine Science-Fiction mehr. Ein aktueller McKinsey-Bericht wirft einen pragmatischen Blick darauf, wie „Embodied AI“ (verkörperte KI) die Industrie verändert und ob humanoide Roboter bald tatsächlich neben uns am Fließband stehen werden.

Was ist „Embodied AI“?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern, die starr auf eine einzige Aufgabe programmiert sind, bezeichnet „Embodied AI“ die Integration von künstlicher Intelligenz direkt in physische Objekte. Diese Roboter lernen durch Beobachtung, passen sich dynamisch an Umgebungen an und können sogar verbale Befehle ausführen.

Humanoide: Mehr als nur ein optischer Trend

Besonders viel Aufmerksamkeit erregen derzeit humanoide Roboter – also Maschinen, die dem Menschen in Form und Bewegungsablauf ähneln. Doch ihr Vorteil ist nicht nur die Optik:

  • Kompatibilität: Sie können sich in Umgebungen bewegen, die für Menschen entworfen wurden (enge Flure, Türknöpfe, Regale), ohne dass die Fabrik komplett umgebaut werden muss.
  • Vielseitigkeit: Durch neue KI-Modelle („Vision-Language-Action“-Modelle) können sie komplexe Abläufe verstehen und visuelle Reize interpretieren.
  • Einsatzbeispiele: Unternehmen wie BMW nutzen bereits Roboter, um Metallteile präzise zu laden, während Amazon den Roboter „Digit“ für Logistikaufgaben testet.

Die Hürden auf dem Weg zum Standard

Obwohl das Investitionsvolumen in die allgemeine Robotik zwischen 2022 und 2024 um das Fünffache auf über eine Milliarde Dollar gestiegen ist, gibt es noch massive Herausforderungen:

  • Datenmangel: Um einen Geschirrspüler einzuräumen oder Metall zu biegen, benötigen KI-Modelle Milliarden von physischen Interaktionsbeispielen, nicht nur Bilder aus dem Internet.
  • Hardware-Limits: Die präzise Feinmotorik der menschlichen Hand (27 Freiheitsgrade) ist technisch extrem schwer und teuer nachzubilden. Zudem reicht die Batterielaufzeit aktuell meist nur für zwei bis vier Stunden – zu wenig für eine volle Industrieschicht.
  • Kosten: Ein humanoider Roboter kostet aktuell zwischen 30.000 $ und 150.000 $, was die Amortisationszeit für viele Unternehmen noch zu lang macht.

Fazit: Ein Blick in die Zukunft

McKinsey schätzt, dass der Markt für Mehrzweck-Robotik bis 2040 auf rund 370 Milliarden Dollar anwachsen könnte. Dabei geht es nicht primär darum, Jobs zu ersetzen, sondern gefährliche, langweilige oder körperlich schwere Aufgaben zu übernehmen.

Der Weg zum „Roboter-Kollegen“ führt über die Verbesserung der Batterietechnik, die Standardisierung von Lieferketten und vor allem über die Akzeptanz in der Belegschaft. Für Führungskräfte bedeutet das: Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann und unter welchen Bedingungen diese Technologie echten Mehrwert liefert.


Ursprungsartikel: Will embodied AI create robotic coworkers? (McKinsey)