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Fraunhofer HNFIZ veröffentlicht 'Humanoid Capabilities Navigator' zur Reifegrad-Bewertung

23.03.2026: Ein neues Bewertungsmodell des Fraunhofer IPA schafft herstellerunabhängige Transparenz und macht die technischen Fähigkeiten humanoider Roboter für die Industrie vergleichbar.

Angesichts des fortschreitenden Fachkräftemangels und rasanter Entwicklungen in der physischen KI gewinnen humanoide Roboter in Industrie und Logistik massiv an Relevanz. Für Unternehmen stellt sich jedoch die zentrale Frage, für welche spezifischen Aufgaben die Systeme bereits heute technisch und wirtschaftlich bereit sind. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat ein Forschungsteam der Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren (HNFIZ) ein neu entwickeltes Bewertungsmodell vorgestellt: den „Humanoid Capabilities Navigator“. Das in einem Whitepaper veröffentlichte Modell ermöglicht erstmals eine transparente, herstellerununabhängige Klassifizierung von Robotereigenschaften und konkreten industriellen Anwendungen.

Der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA entwickelte Ansatz ist methodisch an die bekannten fünf Automatisierungsstufen des autonomen Fahrens angelehnt. Das Modell strukturiert die Evaluierung anhand von vier zentralen Sammelkategorien, die jeweils spezifische technische Fähigkeiten abbilden:

  • Mobilität und Fortbewegung (z. B. Lokalisierung und Pfadplanung)
  • Manipulation (z. B. Kraftwahrnehmung und Greifplanung)
  • Kognition (z. B. Wahrnehmung und Aufgabenplanung)
  • Safety und Security

Innerhalb dieser Kategorien werden die Systeme in Reifegrade von 0 (nicht vorhanden) bis 4 (hochautonom, auf menschlichem Niveau oder besser) eingestuft. Auf diese Weise lässt sich das Anforderungsprofil einer spezifischen betrieblichen Aufgabe direkt mit den tatsächlichen Fähigkeiten verfügbarer Robotermodelle matchen.

Wie diese mathematisch-technische Einordnung in der Praxis funktioniert, illustriert das Whitepaper anhand typischer industrieller Use Cases wie der Maschinenbedienung, Kommissionierung, Lkw-Be- und Entladung sowie klassischen Wartungsaufgaben. Dabei zeigt sich eine starke Varianz der Anforderungen: Während die Lkw-Entladung aufgrund der dynamischen Umgebung höchste Anforderungen an Kognition, Manipulation und Safety stellt, verlangt die hochstrukturierte Maschinenbedienung ein deutlich geringeres Flexibilitätslevel, wodurch niedrigere Reifegrade für einen produktiven Einsatz genügen.

Zur praktischen Validierung des Modells hat der Automatisierungsbereich des Fraunhofer IPA den humanoiden Roboter Unitree G1 evaluiert. Die Analyse verdeutlicht den praktischen Nutzen des Navigators: Der G1 zeigt zwar in Teilbereichen wie der Mobilität beachtliche Fortschritte, weist jedoch in anderen Kategorien noch erhebliche technologische Lücken auf, die vor einem industriellen Regeleinsatz geschlossen werden müssen. Das Fraunhofer-Forschungsteam unterstreicht, dass der Navigator der Industrie ein präzises Werkzeug bietet, um Investitionsentscheidungen abzusichern, Technologie-Roadmaps zu definieren und verlässliche Marktprognosen zu erstellen. Die Veröffentlichung reiht sich in eine Serie von Leitfäden des Instituts im ersten Halbjahr 2026 ein, die auch die Themen Wirtschaftlichkeit und funktionale Sicherheit im Detail beleuchten.


Quelle: Fraunhofer HNFIZ Newsroom