Fraunhofer IPA stellt standardisierte Benchmarks für humanoide Roboter vor
17.05.2026: Ein Expertenteam um Dr. Werner Kraus definiert sechs Kernkriterien, um die industrielle Einsatzreife und funktionale Sicherheit humanoidsysteme messbar zu machen.
Der Markt für humanoide Roboter wächst rasant, doch für Industrieunternehmen fehlte es bislang an objektiven, reproduzierbaren Testverfahren. Ein Expertenteam des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA um Dr. Werner Kraus, Simon Schmidt und Dr. Theo Jacobs hat nun ein umfassendes Benchmark-Framework vorgestellt. Dieses System ermöglicht es erstmals, die Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit humanoider Großserien-Roboter unter standardisierten industriellen Bedingungen experimentell zu validieren und herstellerunabhängig zu vergleichen.
Das vom Fraunhofer IPA entwickelte Testverfahren bricht die Evaluierung in sechs technologische Kernkriterien auf:
- Funktionale Sicherheit (Safety): Die Einhaltung strenger Industrienormen (wie der ISO 10218-Reihe) im direkten Umgang mit menschlichen Kollegen.
- Cybersecurity (IT-Sicherheit): Der Schutz der vernetzten, cloudgestützten „Embodied AI“-Architekturen gegen externe Angriffe.
- Energieeffizienz: Die präzise Messung der realen Batterielaufzeit unter kontinuierlicher Volllast im Dreischichtbetrieb.
- Präzision und Kinematik: Die Wiederholgenauigkeit bei komplexen Greif- und Manipulationsaufgaben.
- Robustheit: Die Widerstandsfähigkeit der Sensorik und Mechanik gegenüber industriellen Störeinflüssen wie Staub, Erschütterungen oder wechselnden Lichtverhältnissen.
- Wirtschaftlichkeit (ROI): Die harten Betriebskosten im Verhältnis zur menschlichen Arbeitsleistung.
Das Framework dient als Brücke zwischen theoretischer KI-Leistung und den harten Anforderungen der Fabrikhalle. Dr. Werner Kraus, Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer IPA, betont, dass reine Softwaredemonstrationen im Labor nicht ausreichen, um die Robustheit im industriellen Alltag zu garantieren. Durch die Einbindung von Dr. Theo Jacobs, einem ausgewiesenen Experten für Roboter-Sicherheit und regulatorische Standards, legt das Framework ein besonderes Augenmerk darauf, wie die autonomen Systeme trotz unvorhersehbarer Verhaltensweisen der KI-Modelle eine lückenlose Gefährdungsbeurteilung nachweisen können.
Mit diesem Benchmark-Katalog bietet das Fraunhofer IPA produzierenden Unternehmen ein standardisiertes Werkzeug zur Risikominimierung bei der Technologieadaption. Gleichzeitig liefert es Herstellern von humanoiden Systemen eine klare Roadmap, welche industriellen Mindeststandards erfüllt sein müssen, um den Sprung aus der Tech-Nische in die europäische Fabrikautomatisierung erfolgreich zu meistern.